Geschichte des Kurhauses
Durch die Anerkennung als Bad ging es wirtschaftlich auch mit dem Markt Aibling aufwaerts. Ein "Kur- und Verschönerungsverein" wurde ins Leben gerufen, und in den Gründerjahren um die Jahrhundertwende entstand auch der architektonische Stolz jener Zeit und jeder Stadt, die etwas auf sich hielt: die später oft geschmähten und heute zu neuem Ansehen gelangten Jugendstilvillen. Die entlang der Glonn an der Meggendorfer Strasse stehenden Haeuser bilden den einzigen stilistisch reinen Trassenzug der heutigen Kurstadt. Über einen Steg ist man von da rasch am Kurhaus und im Kurpark. In einer Broschüre von 1908 heisst es dazu: "Selten wird man so nahe, fast mitten im Ort, von allen Seiten auf zahlreichen gutgepflegten Wegen zugängig, solch praechtige Anlagen finden, wie sie uns in Aiblings Kurpark begegnen. Die schattige Kühle reizender Laubgänge lädt mit den lauschigen Ruheplätzen gar freundlich zum Verweilen ein. Die rascheilenden Wasser der braunen Glonn die in zwei Armen den Kurpark durchziehen, die schattenspendenden Baum- und Strauchgruppen, die im gleissenden Sonnenlicht leuchtenden Blüten und Blumen, dann wieder grüene Wiesenflächen, der idyllische See (heute "Irlachweiher" genannt) mit Schiffhütten, Schwanenhäesern und schaukelnden Booten, die unermüdlich rauschende Fontäne, entzückende Blicke auf die im Süden blauenden Berge und darüber der lachende Himmel gewölbt: das alles vereinigt sich zu bezaubernden lieblichen Bildern, die im Nu Herz und Sinn gefangen nehmen. Wie ein prächtiger Rahmen umschliesst diese stimmungsvolle Landschaft das Kurhaus. Gar mächtig und breit steht es farbenreich da, blumengeschmückt. Ein weitausladendes Ziegeldach schirmt das stattliche Haus, dessen gefäliger Aussenbau sich dem oberbayerischen Gebirgsstil anlehnt."
Diese Beschreibung des Kurparks stimmt auch heute noch, wenn wir es auch nicht mehr so blumig ausdrücken wuerden. Doch das so geschilderte, 1907 erbaute Kurhaus langte den gehobenen Ansprüchen eines sich entwickelnden Kurortes nicht mehr. Ein Um- und Neubau von 1966/67 liess den oberbayerischen Gebirgsstil des Hauses verschwinden und stellte ein neues Gebäude mit grossem Sgraffito über dem Portal hin.
Das neue Kurhaus bekam beim Umbau 1966/67 einen Theaterraum fuer 800 Personen, eine moderne Bühne und, ausser Gesellschaftsräumen, einen kleineren Konzertsaal. Seit wann in Aibling Theater gespielt wurde, laesst sich nicht genau feststellen. In Szene gesetzte Darstellungen der Passion Christi, wie Oelbergandachten, gab es noch zu Beginn der 19. Jahrhunderts. Ein Aiblinger, Pater Franziskus Lang SJ, schrieb sogar ein in der Theaterwissenschaft berühmtes Buch über das Jesuitentheater des Barock, 1727 erschienen unter dem Titel "Abhandlung über die Schauspielkunst" in Muenchen in lateinischer Sprache.
Auf der alten Aiblinger Kurhausbuehne wurde seit 1907 gespielt. Waehrend und nach dem 2. Weltkrieg gab es trotz der enfachen Buehne gute Auffuehrungen, denn in einer Zeit der ausgebombten Theater- und Konzertsäle in den Grosstaedten besas ein intakter Saal in der Provinz Anziehungskraft. Bekannte Künstler kamen: Julius Patzak, Gerda Sommerschuh, Hans Hermann Nissen und viele andere. Die Lore-Bronner-Buehne spielte Klassiker, das Philharmonische Orchester Bad Reichenhall kam regelmässig, oft mit namhaften Solisten. Man erlebte die Tanzkunst der Geschwister Hoepfner und Helga Pawlinis "Romantisches Ballet". Doch erst nachdem das neue Kurhaus mit einer Fledermaus-Auffuehrung in Starbesetzung durch die Muenchner Opernbuehne in 1967 eingeweiht worden war, wurde Bad Aibling mit einem festen Spielplan zur wichtigsten Theaterstadt zwischen Muenchen, Salzburg und Innsbruck. Die Besucher kamen und kommen aus dem Chiemgau, aus Rosenheim, dem Inntal und aus den Landkreisen Ebersberg und Miesbach. Ganze Ensembles fester Bühnen gaben Gastspiele. Die Wiener "Burg" war da, das "Schwarze Theater Prag", das Tiroler Landestheater. Das Passauer Stadttheater spielte immer wieder mit grossem Erfolg Opern und Operetten. Internationale Folkloregruppen, Chöre und Orchester gastierten in Bad Aibling. Bayerische Dialektstücke, durch bekannte Bühnen oder von begabten Laienspielern der Trachtvereine aufgefuehrt, machten die Aiblinger Theaterszene abwechslungsreich.


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